Beschreibung: Armindo - Warteschleife, bitte nicht auflegen!
„Willkommen. Ihre Anfrage ist uns wichtig. Bitte bleiben Sie in der Leitung.“ So ungefähr fühlt sich das hier an. Ich bin Armindo, geboren Juli 2023, eine Woche alt beim Einzug. Ich hatte nicht vor, länger zu bleiben, aber ich hatte keine Wahl im Tarif. Seitdem befinde ich mich in der Warteschleife.
Jetzt ist Februar 2026. Und ich bin immer noch in der Leitung. Die Warteschleife hat übrigens verschiedene Versionen. Im Sommer läuft „Heißer Beton – Remix“. Im Winter eher „Kalter Wind in Endlosschleife“. Dazwischen hört man Metall auf Metall und durchgängig ein Bellen im Hintergrund.
Man gewöhnt sich an das Rauschen. Nicht an die Musik. An das Warten. Warteschleifen haben Regeln: Nicht auflegen. Nicht laut werden. Nicht verzweifeln. Ich halte mich daran. Man kann also in so einer Schleife viel üben: Geduld zum Beispiel. Gelassenheit. Und wie man freundlich bleibt, obwohl das Gespräch noch nicht angenommen wurde.
Früher waren wir vier in der Leitung. Mama Arleene, meine Geschwister Arunny und Arriel und ich. Eine kleine stabile Leitung. Gemeinsam eingeloggt. Inzwischen ist eine Verbindung getrennt. Arriel ist nicht mehr hier. Kein Hinweis. Kein Signalton. Einfach weg. Einfach „Teilnehmer hat die Sitzung verlassen“. Man lernt, mit Funklöchern umzugehen.
Ich bin geblieben. Ich bin keiner, der in die Leitung brüllt. Kein Dauerpiepsen. Man könnte meinen, ich sei ungeduldig geworden. Oder misstrauisch. Bin ich nicht. Ich könnte auch anders reagieren. Drei Jahre sind genug Zeit, um misstrauisch zu werden. Ich habe mich dagegen entschieden. Vielleicht liegt genau da der Fehler. Ich bin kein Störsignal. Kein Notfall. Kein akuter Alarm. Ich bin einfach in der Leitung. Warteschleifen reagieren leider selten auf Vernunft. Manchmal denke ich, irgendwo gibt es eine Taste mit der Aufschrift „Weiterleiten“. Vielleicht wurde sie nur noch nicht gedrückt.
Fast drei Jahre sind vergangen. Drei Sommer-Playlisten. Drei Winter-Remixe. Ich bin erwachsen geworden. Einfach erwachsen. Was ich noch nicht weiß, ist, wie es ist, wenn jemand tatsächlich abhebt. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn jemand sagt: „Bleib.“ Aber ich wäre bereit zuzuhören.
Falls Sie also gerade diesen Text lesen und denken: „Er wirkt ruhig.“ Das stimmt. Ruhig genug, um die Musik auszuhalten. Ruhig genug, um nicht aufzugeben. Ruhig genug, um immer noch aufzustehen, wenn Schritte näherkommen. Ich hätte dieses Kapitel kürzer geplant. Aber ich bin flexibel.
Wenn Sie keinen Alarmhund suchen, dann könnten wir das hier beenden. Die Leitung ist offen. Ich bin startklar. Sie müssten nur auf „Verbinden“ drücken. Meine Vermittlerin nimmt den Anruf entgegen. Und ich verspreche, dann beenden wir gemeinsam die Warteschleife. Ein Anruf bei meiner Vermittlerin genügt und dann heißt es nicht mehr: „Bitte bleiben Sie dran.“ Sondern: „Verbindung hergestellt.“ Ich freue mich darauf Ihre Stimme zuhören!
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