Hallo da draußen! Ist da jemand? Kann mich jemand hören? Ich bin’s, Thandor. Ich bin hier, wo mich keiner sehen kann. Eingeschlossen hinter dicken Gitterstäben. Ich sehe nur Grau. Ich fühle Beton. Ich höre lautes Gebell. Und es riecht nach Urin. Ich weiß gar nicht, wo ich bin. Aber ich weiß, dass es mir hier nicht gefällt.
Als ich geboren wurde, fühlte sich die Welt anders an. Der Boden war weich, es roch nach Natur und ich habe Vögel zwitschern gehört. So meine ich mich zumindest erinnern zu können. Denn das ist schon ganze drei Monate, mehr als mein halbes Leben! Dabei bin ich doch gerade einmal fünf Monate alt. Ja, du hast richtig gerechnet: Mit zwei Monaten kam ich an diesen tristen, kalten Ort, den ich wirklich gruselig finde.
Gott sei Dank ist Nyxiel bei mir. Sie ist so etwas wie meine große Schwester. Am Anfang war alles ganz leicht zwischen uns, wir haben uns gut verstanden und sie hat sich um mich gekümmert. Aber Nyxiel passt auch sehr genau auf das auf, was ihr wichtig ist. Wenn es um Futter geht oder um Aufmerksamkeit, dann möchte sie nicht mit mir teilen. Dann wird sie ernst, knurrt leise oder zeigt sogar manchmal kurz die Zähne. Es ist nie etwas passiert, aber ihre Botschaft hab ich schon verstanden. Trotzdem achtet sie immer noch auf mich und sagt mir auch immer, dass ich vorsichtig sein muss, wenn einmal ein Zweibeiner in unsere Zelle kommt. Denn schließlich seien sie es gewesen, die uns hier eingesperrt haben. Daran kann ich mich gar nicht mehr richtig erinnern.
Und letztens, als wirklich nette Menschen kamen, Tierschützer, hat man sie genannt, wollte ich einmal schauen, wie die so drauf sind. Denn sie kamen mir gar nicht gruselig vor, sondern sehr freundlich. Und auch wenn ich Nyxiels Worte im Hinterkopf hatte, habe ich Mut gefasst, mich getraut und bin auf die Zweibeiner zugegangen. Und es war wirklich ein tolles Erlebnis! Sie sagten mir, dass es da draußen noch mehr solche netten Zweibeiner gibt und dass sie mir jetzt helfen wollen, jemanden von ihnen zu finden, der mir das echte Leben zeigen wird. Sie sprachen von Liebe und Geborgenheit, von Wärme und Kuschelzeit, von Action und Erlebnissen. Das alles klang unglaublich spannend!
Und so warte ich hier nun und frage mich, ob diese Erzählungen wirklich wahr werden können? Ob es da draußen wirklich jemanden gibt, der mir, dem grau-weißen Thandor, das Hunde-ABC beibringen und mich mit ganzem Herzen lieben wird?
Ich jedenfalls habe viel Liebe zu verschenken und bin jetzt bereit zu lernen, wie die große, weite Welt funktioniert. Wer hilft mir dabei, sie zu entdecken?
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