… und Moos wächst langsam. Ich – Walcott – kann das bestätigen: Über viereinhalb Jahre sitze ich jetzt schon hier im Hundelager. So lange, dass ich manchmal glaube, unter meinem weißen Fell steckt längst ein grüner Bart. Sieht nur keiner, macht ja auch keiner lange Halt bei einem wie mir.
Ich bin eher so der Typ, der am liebsten hinten sitzt und zuguckt, wie alle anderen sich zum Gitter drängeln. Abenteuer gehörten bisher nicht zu meinem Leben. Dafür kann ich richtig gut: Unsichtbar sein. Und warten. Warten auf jemanden, der nicht nach dem Lautesten schaut, sondern der die Kunst beherrscht, auch das Leise zu hören.
Seit kurzem teile ich diese Kunstform mit einer Hündin. Wir sind Experten im diskreten Zusammenleben – Actionkino auf Zeitlupe eingestellt. Blätterzählen ist unsere Samstagabendshow, und wenn der Wind zu doll wird, lassen wir’s auch mal komplett.
Kommt die Leine ins Spiel, werde ich zwar zum Wackelpudding – aber wer mag schon alles, was nach Abschleppseil aussieht? Herzklopfen bis in die Rute. Wenn die Leine ab ist, bleibe ich einfach stehen. Ich kann dann sogar Streicheln aushalten, wenn die Welt ruhig ist und keiner groß etwas sagt. (Geheimtipp: sanft nähern funktioniert am besten.)
Manchmal träume ich von dem, was draußen wartet: Gras, das wirklich kitzelt. Sonne, die nicht durch Gitter fällt. Ein Fußabdruck neben meinem – nicht nur ein Schatten. Ich habe das Hundelager noch nie verlassen, kenne die Welt nur aus Gerüchten und den Geschichten vom Wind. Über viereinhalb Jahre – dabei hatte ich mit drei Monaten noch Locken hinter den Ohren!
Hast du je Moos wachsen sehen? Es dauert – aber dann hält es ewig. Vielleicht bist du genau der Mensch, der für einen wie mich einfach stehenbleibt. Der Moos zum Blühen bringt. Der einem stillen Hund zeigt, wie Glück sich anfühlt. Man braucht Geduld, unbeirrte Wärme und ein bisschen Glauben daran, dass auch kleine Dinge irgendwann groß werden. Wenn du also Lust hast auf einen Freund, der weder Rekorde bricht noch eine Karriere im Bälleholen anstrebt, sondern lieber gemeinsam Moos ansetzt und Schritt für Schritt ins Leben geht: Melde dich bei meiner Vermittlerin damit das Warten endlich ein Ende hat – und ich zum ersten Mal echtes Moos unter den Pfoten spüre.
Walcott - Liebesbedürftig und mit einem Wunsch: eine eigene Familie
Für unseren schneeweißen Walcott werden es im November 2023 schon zwei Jahre sein, seit er mit gerade mal drei Monaten (!) an einen elenden, trostlosen, traurigen Ort gebracht wurde: Ein schreckliches Canile, darin eine kleine Betonzelle, aus der es in der Regel bis zum sicheren Tod kein Entrinnen gibt.
Aber unser bildhübscher Walcott scheint nun doch zumindest ansatzweise in eine Glückssträhne getrudelt zu sein, denn endlich haben mit uns befreundete Tierschützer die Erlaubnis erhalten, ihn zu besuchen. Der arme Wicht wusste erst wohl gar nicht so recht, wie ihm geschah. Fremde Menschen in seinem Zwinger, den er normalerweise nur mit seinem Freund Arielo teilt, waren ihm zu Beginn etwas ungeheuer. Objektiv betrachtet kann man nur sagen: Wer kann’s im verdenken? Walcott kennt praktisch nichts außer seinen Kerker, das endlose Gebell aus den anderen Zellen, seinen Kumpel Arielo, und vielleicht ab und an ein nicht übertrieben emphatischer Mensch, der den beiden etwas Futter und Wasser bringt. Kurz: Walcott ist noch etwas schüchtern und zurückhaltend, wenn es um ihm unbekannte Menschen geht. Aber, die Tierschützer haben das in ihrem Bericht unterstrichen, der tapfere Walcott war keine Sekunde aggressiv, hat nicht versucht, zu beißen, sondern wollte sich einfach in einer Ecke verstecken.
Vielleicht stressbedingt hat Walcott an den Hinterbeinen sowie am Bauch Dermatitis im Anfangsstadium. Mit der entsprechenden Pflege, manchmal hilft es schon, wenn die Hunde in eine ruhige Umgebung kommen und qualitativ hochwertiges Futter erhalten, würde diese Hautkrankheit verschwinden.
Es könnte sehr gut sein, dass sich Walcott wie schon viele seiner Leidensgenossen vor ihm eines Tages in unsere Galerie der ultramutigsten Superentwickler einreihen würde. Zu all den Hunden, die in ihrem trostlosen Verließ ein Häufchen Elend waren, oder vor Angst vor den Menschen und allem Neuen versucht haben, sich unsichtbar zu machen, oder gebellt haben, was das Zeug hielt. Doch sobald sie erst einmal in ihrer neuen Familie angekommen waren, man ihnen dort genügend Zeit und Raum gegeben hat, um anzukommen, wurden aus den verschüchterten, unsicheren, teilweise traumatisierten Hunden beste Freunde.
Es braucht Zeit und Geduld, um einem Hund wie Walcott das schöne Leben schmackhaft zu machen, ein souveräner Ersthund in der Familie kann eine enorme Hilfe sein. Bei der richtigen Betreuung und Begleitung, vielleicht zusammen mit einem/r erfahrenen Hundetrainer/in, schaffen es aber die allermeisten unserer Hunde, irgendwann ihre Angst und Zurückhaltung abzulegen und Vertrauen zu ihren Menschen aufzubauen. Und dann, eines schönen Tages, liegen sie tiefenentspannt im Garten, blinzeln in die Sonne, stöhnen einmal zufrieden und ergeben sich wieder ihrem Nickerchen. Im Wissen, dass sie angekommen sind, geliebt, respektiert und behütet werden. Bis ans Ende ihrer Tage. Und genau so, wie es jedes Tier verdient hätte.
Falls unser hübscher Walcott ihr Herz berührt hat, so kontaktieren Sie doch bitte seine Vermittlerin. Walcott wird als «Mischling» bezeichnet, es ist jedoch nicht auszuschließen, dass in seiner Verwandtschaft irgendwo ein Herdenschutzhund mit von der Partie war. Bitte lesen Sie unsere Hinweise zu Maremmanen und -Mischlingen auf unserer Infoseite durch.
Besuchen Sie Walcott auch auf unserer Homepage www.pro-canalba.eu