„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Das haben mir die netteren Menschen mal gesagt, die hier ab und zu mal herkommen. Es soll wohl bedeuten, dass immer noch etwas Gutes passieren kann, auch wenn es lange dauert.
Tja, was soll ich sagen? Ich denke, zuletzt ist jetzt. Ich kam im Sommer 2020 hierher, an diesen trostlosen, lauten, grausamen Ort. Da ist nie etwas passiert, das mir Hoffnung gemacht hätte. Letztes Frühjahr dann kamen Menschen, die zur Abwechslung wirklich ganz nett waren. Tierschützer waren das. Die haben mir dann doch Hoffnung gemacht, dass es besser werden kann, dass da draußen noch mehr nette Menschen sind, Menschen, die mich hier rausholen.
Das ist jetzt ein Jahr her – ein weiteres, unendlich langes Jahr. Ich bin immer noch hier. Niemand hat je nach mir gefragt.
Zuletzt ist jetzt.
Wahrscheinlich bin ich einfach zu alt, zu groß, zu dunkel, zu kaputt. Ich wirke nicht nett genug. Meine Erfahrungen mit Menschen haben mich vorsichtig werden lassen, ich bin keiner, der freundlich wedelnd ankommt – ich komme eher etwas mürrisch rüber. So einen wie mich will wohl doch niemand.
Im letzten Jahr habe ich mir mein Gefängnis hier noch mit zwei Hundefreundinnen geteilt, vor kurzem sitze ich in einer Einzelzelle. Weil es mir schlecht geht, haben die vom Hundegefängnis hier gesagt, weil das besser ist für mich. Das ich nicht lache! Ja, es geht mir nicht gut – ich habe Schmerzen, die Gelenke tun mir unfassbar weh. Laufen ist schwerer geworden; Hinlegen und Aufstehen mühsam. Aber auch Liegen tut weh, denn hier ist alles nur Beton. Kein Korb, keine Decke, kein Unterschlupf. Und jetzt noch nicht mal Hundefreunde, mit denen die unsägliche Langeweile etwas besser zu ertragen wäre. Ich bekomme auch nichts gegen die Schmerzen. Denn die, die hier das Sagen haben, interessiert es eigentlich gar nicht, wie es mir geht – und die, die es interessiert, die Tierschützer, die sind machtlos, die können nichts unternehmen.
Zuletzt ist jetzt.
Die waren neulich wieder bei mir, die Tierschützer, aber diesmal habe ich sie, obwohl die wieder nett waren, einfach nur angebellt. Es ist hier so laut, immer nur laut, ich habe Schmerzen, ich stehe so unter Stress, ich bin so alleine. Ich will das nicht mehr – die sollen mich einfach nur noch in Ruhe lassen, deswegen habe ich die angebellt. Eigentlich wollte ich das nicht, aber…
Zuletzt ist jetzt.
Meine einzige Hoffnung wäre, wenn jemand mich doch nicht zu alt, zu groß, zu dunkel und zu kaputt fände – und sich nicht abschrecken ließe von meinem Schutzpanzer aus scheinbarem Missmut und Abwehr. Wenn jemand sagen würde, dass er mich haben will…dann käme ich hier raus. Dieser Jemand könnte vielleicht was tun gegen meine Schmerzen, wäre nett zu mir, bis mein Schutzpanzer bröckeln würde. Wie schön das wäre.
Aber…zuletzt ist jetzt – oder?
Annius-Hinter der grummeligen Fassade steckt ein Schatz
Annius ist einer dieser Hunde, bei deren Anblick einem fast das Herz stehen bleibt. Sein leicht trüber, fragender Blick, sein viel zu dickes, nie gekämmtes, vermutlich verfilztes Fell, sein vom jahrelangen Nichtstun und schlechtem Futter zu schwerer Körper. Sein heiseres Bellen, mit dem er sich misstrauisch die bislang meistens unangenehmen Zweibeiner vom Leib halten will - oder ruft er einfach voller Verzweiflung um Hilfe?
Denn Hilfe braucht unser Großer ganz dringend. Geschätzte Leserinnen und Leser, liebe Hundefreundinnen und Hundefreunde, vielleicht sind ja genau Sie die Hilfe, die Annius benötigt? Wir suchen für den ruhigen Rüden ganz, ganz dringend eine Familie oder Einzelperson, die bereit ist, sich auf einen zehnjährigen Hund einzulassen. Auf ein Wesen, das in Gefangenschaft alt geworden ist und vermutlich nicht viel mehr als sein zermürbendes, trostloses Dasein hinter Gittern kennt. Wir suchen Menschen mit viel Verständnis für unseren lieben Annius, unter dessen dickem Fell sich eine verletzte Seele versteckt.
Annius gibt sich im Hundegefängnis zuweilen als mürrischer, alter Hund, wahrscheinlich aus Selbstschutz. Dass er aber einiges mehr zu bieten hat, durften die mit uns befreundeten Tierschützer erfahren. Als sie ihn und seine zwei Leidensgenossinnen Lorianne und Imeria im Frühjahr 2025 besuchten, trafen sie zunächst auf einen etwas grummeligen, schon ein wenig in die Jahre gekommenen Rüden. Er habe zu Beginn nichts von den fremden Menschen wissen wollen und bei ruhigen Annäherungsversuchen zu bellen begonnen. Doch schon nach kurzer Zeit konnte er über seinen Schatten springen und Streicheleinheiten sowie sanftes Kraulen zulassen. Und nachdem er festgestellt habe, dass diese Zweibeiner nichts Böses im Schild führten, sei er sogar richtig neugierig geworden, berichteten uns die Tierschützer. Er habe etwas genauer wissen wollen, wer ihn und die zwei Hündinnen besuche, habe geschnuppert und sei schnell ruhiger geworden. Ob sich hinter Annius’ misstrauischer Fassade Potenzial versteckt? Und ob, davon sind wir überzeugt!
Bei den älteren Hunden, die wir vermitteln dürfen, ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass sie sich relativ rasch an ein neues Leben bei freundlichen, sie liebenden Menschen gewöhnen. Die Transformation von einem nach jahrelanger Gefangenschaft angeschlagenen Tier hin zu einem verspielten, neugierigen, aufgeweckten Hund geschieht natürlich nicht von heute auf morgen. Und ist auch kein Selbstläufer. Für die Hunde ist es eine enorme Leistung, plötzlich mit unbekannten Menschen, Gerüchen, Strukturen, Tagesabläufen zurechtkommen zu müssen. Aber ihre Menschen können sie bei dieser Herkulesaufgabe nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen, indem sie ihnen Zeit und Ruhe, Zeit und Ruhe und nochmals Zeit und Ruhe geben.
Annius würde sich über ein Zuhause bei Menschen mit etwas Hundeerfahrung, mit Haus und hundesicher eingezäuntem Garten in ruhiger Umgebung freuen. Vielleicht sind ja genau Sie Annius’ zukünftiger Lieblingsmensch und sein Ticket in die Freiheit? Wir wünschen unserem schönen Annius nichts weniger, als dass er seine letzten Lebensjahre bei seinen neuen besten Freunden verbringen darf, bei denen jeder Tag mit Liebe und Respekt beginnt und auch genauso endet.
Bitte zögern Sie nicht und kontaktieren Annius’ Vermittlerin, falls Sie Annius endlich ein richtiges Leben bieten möchten. Wir freuen uns auf Sie!
Bitte besuchen Sie Annius auch auf unserer Homepage.