Beschreibung: Wie erklärt man einem alten Hund den Tod
Es gibt Dinge, die kann man einem Hund nicht erklären: Warum ein Mensch morgens das Haus verlässt und abends nicht mehr zurückkommt, ganz egal, wie viele Abende man wartet.
Jack wird im September elf Jahre alt. Fast sein ganzes Leben hat er bei demselben Menschen verbracht. Elf Jahre lang musste er sich nie Gedanken darüber machen, wo er hingehört. Er hatte ein Zuhause einen Alltag und einen Menschen. Wahrscheinlich wusste er genau, wann es Zeit für den Spaziergang war und wo er sich abends hinlegen konnte. Solche Dinge werden für einen Hund irgendwann selbstverständlich.
Bis sie es plötzlich nicht mehr sind. Jacks Besitzer ist gestorben.
Eine Zeit lang blieb der kleine Pinscher noch in seinem Zuhause. Dort lebte ein weiterer älterer Mensch, der selbst immer wieder ins Krankenhaus musste und sich in einer schwierigen sozialen und finanziellen Situation befand. Irgendwann war klar, dass niemand mehr für Jack sorgen konnte. Die örtliche Gesundheitsbehörde bat die Tierschützer um Hilfe.
Als Jack im Tierheim ankam, war er verängstigt und völlig orientierungslos. Eigentlich überrascht uns das nicht. Denn niemand erklärt einem Hund, was der Tod ist. Er weiß nur, dass sein Mensch nicht mehr da ist, dass plötzlich alles anders riecht und dass er nun hinter Gittern schläft.
In seiner Box kommt Jack nur schwer zur Ruhe. Er bellt herzerweichend viel und wir glauben, dass Jack nach seinem Menschen ruft. Denn wenn er draußen ist, an der Leine läuft und jemanden an seiner Seite hat, wird aus dem unruhigen kleinen Hund plötzlich ein entspannter Begleiter. Er liebt die gemeinsame Zeit und sucht die Nähe des Menschen. Fremden gegenüber ist er manchmal noch etwas vorsichtig. Er braucht einen kleinen Moment, um Vertrauen zu fassen. Aber wenn er merkt, dass ihm nichts geschieht, lehnt er sich an seinen Begleiter und sucht Trost und Schutz.
Mit anderen Hunden kommt Jack gut zurecht. Auch Katzen kennt er bereits aus seinem früheren Zuhause, das er sich mit sechs Samtpfoten geteilt hat. Autofahrten meistert er problemlos und selbst der Stadt begegnet er neugierig und erstaunlich gelassen. Für einen kleinen Hund, dessen Welt vor wenigen Wochen vollständig zusammengebrochen ist, ist das alles andere als selbstverständlich.
Jack hat eine leichte Mitralklappeninsuffizienz. Im Moment braucht er dafür keine Behandlung. Viel dringender braucht er etwas anderes. Einen neuen Bezugspunkt. Jemanden, der ihm zeigt, dass das Leben nicht mit dem Tod seines Menschen aufgehört hat.
Vielleicht muss Jack gar nicht noch einmal ganz von vorne anfangen. Vielleicht reicht es schon, wenn er den Rest seines Lebens dort verbringen darf, wo jemand seinen Namen kennt. Wo seine kleine Welt wieder in Ordnung kommt und wo er nicht mehr bellen muss, um gehört zu werden.
Fast elf Jahre lang hatte Jack ein Zuhause.
Wir wünschen uns von Herzen, dass es nicht das einzige geblieben ist.
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