Beschreibung: Darcyline - Das Leben ist immer dort, wo sie hinschaut
Darcyline steht da und schaut. Nicht zu unseren Tierschützern, sondern an uns vorbei. Ihr Blick hängt an einer Bewegung hinter dem Zaun, wandert zu einem Geräusch im Lager und bleibt dort, wo der Wind Gerüche heranträgt, die Ohren gehen nach vorn. Für einen Moment ist da diese gespannte Neugier, als könnte gleich etwas passieren. Aber hier passiert nichts. Jedenfalls nichts, was ein Leben verändert.
Das Leben ist immer dort, wo Darcyline hinschaut: hinter der Mauer, hinter dem Tor, dort wo Schritte kommen und wieder verschwinden. Nur dort, wo Darcyline steht, da ist das Leben nicht. Seit August 2022 kennt sie diesen tristen Ort. Damals war sie ein Welpe, kaum dreieinhalb Monate alt. Viel zu jung, um zu begreifen, dass eine Zwingertür nicht nur zufallen, sondern für sie auch jahrelang geschlossen bleiben kann. Ein Welpe, der gerade erst begonnen hatte, seine Umgebung zu begreifen.
Viel Umgebung blieb ihr nicht. Kein erstes Zuhause. Kein Garten, in dem man verbotene Löcher gräbt. Kein Mensch, der über eine zerkaute Socke flucht und dabei heimlich lachen muss. Seit vier Jahren wartet Darcyline. Es gibt keinen guten Grund, warum sie noch immer dort sitzt. Sie ist sozial, freundlich und sicherer geworden. Sie lässt sich anfassen und streicheln, kommt gut mit anderen Hunden zurecht und teilt ihre Box mit einem Rüden. Auch an der Leine läuft sie erstaunlich gut. Das klingt nach einer Nebensache, doch eine Leine ist die Verbindung zwischen einem Hund und einem Menschen. Einer hält das eine Ende, der andere geht am anderen. Gemeinsam verlassen sie einen Ort und erreichen einen neuen. In vier Jahren durfte Darcyline nur viermal den Zwinger verlassen. Vier Mal kehrte sie nach wenigen Minuten wieder dorthin zurück, wo nichts von dem bleibt, was draußen ihre Aufmerksamkeit geweckt hat.
Vielleicht schaut sie deshalb nicht mehr jedem direkt ins Gesicht. Vielleicht hat sie in all den Jahren gelernt, dass Menschen nur ein weiterer Teil dieser vorüberziehenden Welt sind. Sie kommen, betrachten, berühren ihr Fell und verschwinden wieder dorthin, wo das Leben stattfindet. Darcyline bleibt zurück.
Auch die Leishmaniose gehört zu ihrer Geschichte. Wahrscheinlich wurde sie ihr bereits von ihrer Mutter übertragen. Eine Krankheit, die sie bekam, bevor sie überhaupt die Chance hatte, irgendetwas falsch oder richtig zu machen. Sie macht aus einer neugierigen, verträglichen Hündin keinen hoffnungslosen Fall. Mit der richtigen Therapie leben die meisten betroffene Hunde jahrelang beschwerdefrei und unauffällig. Hoffnungslos wäre nur, Darcyline allein deshalb weiter warten zu lassen. So schlicht ist das. Während wir entscheiden, ob ein Hund gerade in unser Leben passt, verstreicht sein eigenes.
Auf dem Papier ist sie längst erwachsen. In Wahrheit wartet noch immer der Welpe von damals darauf, dass sich eine Tür öffnet – und diesmal nicht wieder zufällt. Vielleicht bist du der Mensch, auf den sie all die Jahre hinausgeschaut hat. Ein Anruf bei ihrer Vermittlerin könnte die Tür öffnen: damit sie nicht länger nur dorthin schaut, wo das Leben stattfindet, sondern selbst hineingehen darf.
Bitte besuchen Sie Darcyline auch auf unserer Homepage.
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