Ein schwarzes Hundemädchen mit viel zu langen Beinen für diese enge Welt aus Beton und Gitterstäben. Sie steht da, zuweilen ein bisschen verloren in ihrer eigenen Größe, zart und schmal, und sieht aus, als müsste sie eigentlich durch einen verwunschenen Wald laufen und nicht durch einen Zellentrakt.
Doch es gibt keinen Wald. Nur das Hundelager.
Irgendwo zwischen diesen beiden Bildern beginnt die Geschichte von Emmeline. Sie ist jetzt, im Jahr 2026, sechs Jahre alt und kam Ende Mai ins Hundelager. Und damit beginnt der Teil ihrer Geschichte, den wir kennen. Der davor ist verschwunden … Wir wissen nicht, wo sie geboren wurde. Wir wissen nicht, wo sie gelebt hat, ob sie Kinder kannte, ob sie irgendwann mal jemand liebhatte, ob sie auf einem Sofa lag oder ihr Leben irgendwo in einem kleinen Hinterhof verbrachte.
Wir wissen nur: Mit sechs Jahren landet eine Hündin nicht ohne Grund in einem Hundelager. Und egal, welcher dieser tausend möglichen Gründe es gewesen sein mag - keiner davon ist ein guter.
Trotzdem steht Emmeline heute dort und hat sich etwas bewahrt, das uns immer wieder bei den weggesperrten Seelen in den Lagern begegnet: Sie ist nicht bitter geworden. Sie ist eine selbstbewusste Hündin, die Menschen mag. Sie genießt es, wenn jemand zu ihr kommt und sich mit ihr beschäftigt. Sie ist neugierig und möchte wissen, was um sie herum geschieht. Ihren stumpfsinnigen und von nicht eben tierfreundlichen Wärtern geprägten Alltag teilt sie momentan mit Quiron, einem kleinen Rüden.
Und sie ist kein verlorenes Wesen, das sich irgendwo in einer Ecke versteckt. Sie ist Emmeline. Eine schwarze, wunderschöne Hündin, die sechs Jahre lang irgendwo auf dieser Welt gelebt hat und nun in einer Zelle sitzt, als hätte man ihre Geschichte mitten im Satz beendet.
Darum kann sie auch nicht einfach als „6-jährige Mischlingshündin, 65 cm, verträglich und menschenbezogen“ beschrieben werden. Denn wenn man Emmeline so ansieht, möchte man glauben, dass irgendwo noch ein anderes Kapitel auf sie wartet. Darin braucht sie kein großes Versprechen. Sie braucht nur einen Menschen, der ihr einen Platz gibt, an dem sie nicht mehr verloren ist. An einem Ort, an dem ihre Geschichte weitergehen wird. Mit einem eigenen Körbchen. Mit Spaziergängen durch echte Wälder statt mit dem Blick auf Beton und Gitter. Und mit Menschen, die sie anschauen und eines Tages wissen werden, wer sie ist.
Und dann könnte aus dem wunderschönen schwarzen Hundemädchen aus der dunklen Geschichte etwas ganz anderes werden: Eine Hündin, die endlich dort angekommen ist, wo sie hingehört. Emmeline.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir glauben, Emmeline wird von ihren Menschen gefunden werden. Wenn Sie das sind, rufen Sie doch bitte ihre Vermittlerin an.
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